Die zwei Unterrichtsstunden in Religion am 9. Oktober werden die 120 Viertklässler der Fridtjof-Nansen-Schule (FNS) mit Sicherheit nicht so schnell vergessen. Sie wechselten Klassenraum gegen Studierstube, Alltagskleidung gegen einen mittelalterlichen Umhang und Pausenfrühstück gegen Brotgebäck.
Auch 2026 veranstaltete die Emmausgemeinde in Kooperation mit der FNS den Luthertag, an dem alle Schüler*innen aus Jahrgang 4 laut schulinternem Lehrplan teilnehmen müssen. Jeweils zwei Klassen versammelten sich im großen Gemeindesaal, wo sie von der 1. Vorsitzenden des Gemeinderates, Anne Appel-Bielefeldt, begrüßt wurden. Bereits zwei Minuten später befanden sich die Kinder gedanklich schon im Mittelalter.
Authentisch verkleidete Schauspielende verkörperten nämlich Menschen aus dem Umfeld Martin Luthers. Der berühmte Reformator hatte zusammen mit seiner Frau Katharina von Bora stets Tischgäste zum Essen empfangen. So saßen die Freunde Philipp Melanchthon (Jochem Westhof) und Andreas Karlstadt (Natalie Bade) sowie ein Studiosus (Bärbel Kubsch) mit an der langen Tafel. Die emsige Dienstmagd Hanne (Pamela Mahnke) schenkte auf Wunsch der Hausherrin Katharina von Bora (Maren Schamp-Wiebe) schon ein, obwohl der Gatte noch gar nicht anwesend war.
Dann kam Martin Luther (Ralph Severloh) hereingestürmt – vollkommen aufgebracht, mit einem Hammer in der Hand, mit dem er Minuten zuvor die 95 Thesen an die Kirchentür zu Wittenberg genagelt hatte. Gespannt verfolgten die Kinder das Schauspiel und ließen sich anschließend erwartungsvoll auf die Stationen ein. In der Studierstube übersetzten sie einen Psalmvers aus dem Hebräischen ins Deutsche. Mit einer Gänsefeder zu schreiben, war gar nicht so einfach!
An der Holztür überlegten die Schüler und Schülerinnen, welche Themen die Menschen heute bewegen und welche Thesen sie heutzutage „posten“ würden. Danach konnten sie diese jedoch nicht per Klick verbreiten, sondern zeitgenössisch mit Hammer und Nagel befestigen.
Im dunklen Keller erzählte Martin Luther von seinem Blitzerlebnis und den vielen Ängsten im Mittelalter. Auch die Schüler und Schülerinnen kamen zu Wort und berichteten in vertrauter Runde, was ihnen Angst macht.
Auf dem Marktplatz mussten die Kinder überlegen, wofür sie ihr weniges Geld ausgeben wollten: für Essen, Feuerholz und Arznei oder für einen Ablassbrief, den Johannes Tetzel (Anne Appel-Bielefeldt) ihnen zu verkaufen versuchte. Dass kein einziges Kind darauf hereinfiel und einen Schuldbrief kaufte, lag an der guten Vorbereitung des Thema Reformation im Religionsunterricht. Sie hatten gelernt, dass man sich nicht von Schuld freikaufen kann, sondern um Vergebung bitten muss, um wieder in Frieden leben zu können.
Zum Abschluss versammelten sich alle Jungen und Mädchen erneut im Plenum, wo das Wappen Martin Luthers, die Lutherrose, gepuzzelt und erklärt und die 1,5-stündige Zeitreise beendet wurde. Begeistert und erfüllt von Martin Luthers reformatorischen Ideen gingen die Kinder zurück in die Schule. Wenn am 31.10. dann Halloweengeister durch die Gegend ziehen, werden die Schüler*innen der FNS zumindest wissen, warum der Feiertag „Reformationstag“ heißt.
MSW












